Spurenstoffe in saarländischen Gewässern

Medikamente, Industriechemikalien, Körperpflege- und Pflanzenschutzmittel gelangen täglich in unser Abwasser und hinterlassen dort sogenannte anthropogene Spurenstoffe. Wie damit in den Kläranlagen an der Saar verfahren wird, erklärt die SZ in einer gemeinsamen Aktion mit dem Entsorgungsverband Saar (EVS). 

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In Ensdorf soll bis 2020 ein
Biomasse-Zentrum entstehen

Lesen Sie hier alles zur Standortentscheidung des neuen Biomasse-Zentrum in Ensdorf

In Zusammenarbeit mit:

 
 
 

Online-Broschüren der EVS

Acht Angebote galt es für den Entsorgungsverband Saar (EVS) in den vergangenen Wochen zu prüfen, um einen geeigneten Standort für das erste saarländische Biomasse-Zentrum zu finden. Nun sind die Angebote durch ein unabhängiges Institut ausgewertet worden und der Standort steht fest. In Ensdorf soll das Zentrum bis 2020 entstehen, um hier künftig Strom, Wärme und Kompost aus den Bioabfällen der saarländischen Haushalte herzustellen.

Online-Broschüre DER NEUE TRENNT IM SAARLAND

Die Biomasse gilt als sehr vielseitiger Energieträger und auch Bioabfälle besitzen energetisches Potenzial. Zwar, so sagen Energie-Experten, sei die Energiegewinnung aus Biomasse im Vergleich zu Windkraft und Sonnenenergie ein wenig kostenintensiver. Dennoch gelte Sie in Zeiten der Energiewende als eine bedeutende Stütze, da über das Biogas Energie gespeichert wird, womit Stromüberschuss und -bedarf ausgeglichen werden können.

  • Im Bereich Biomasse mussten einige neue Regelungen geschaffen werden, die im Saarland vom Entsorgungsverband Saar umgesetzt werden. Zum Beispiel mit einem neuen Biomasse-Zentrum, in dem aus Biogut, den Küchenabfällen aus der Biotonne, und dem so genannten Grüngut, zu dem beispielsweise Grünschnitt und andere Gartenabfälle zählen, Strom, Wärme und Kompost erzeugt werden sollen.
     
  • Schon im Jahr 2020 will man im Saarland ein solches Biomasse-Zentrum betreiben. In Ensdorf, auf dem Gelände der VSE AG am vorhandenen Kraftwerk, soll das Zentrum entstehen, um das sich saarlandweit acht mögliche Standorte beworben hatten. Am Ende folgte der EVS den Ratschlägen des unabhängigen Witzenhausen-Instituts für Abfall, Umwelt und Energie, und wählte mit Ensdorf einen Standort aus, der praktisch ideale Voraussetzungen für den erfolgreichen Betrieb eines Biomasse-Zentrums vorweisen kann.  
     
  • An die Standortwahl knüpften sich einige Bedingungen, die unbedingt zu erfüllen waren. So etwa die Grundstücksgröße. Mindestens 50.000 Quadratmeter Fläche waren da gefordert, auf denen sich später das gesamte Biomasse-Zentrum mit allen erforderlichen Bereichen ausdehnen soll.
     
  • Aber auch der Naturschutz musste bedacht werden. So genannte Schutzgüter wie etwa Wasser- oder Naturschutzgebiete sollten keine erheblichen Beeinträchtigungen erfahren. Und auch wenn das Zentrum selbst möglichst keinee Geruchs- und Lärmbelästigungen für die Anlieger verursacht, soll dennoch ein Abstand von mindestens 500 Metern zu Flächen mit Wohnbebauung eingehalten werden.
     
  • Erforderlich war eine gute Verkehrsanbindung. Denn die Biomasse muss möglichst kosteneffizient und ohne spürbare Belastungen für die Bürgerinnen und Bürger zur Anlage gefahren werden.
     
  • Und da man beim EVS die Planungen zu dieser neuen Anlage mit einem großen Maß an Weitsicht angegangen war, wurde bei der Standortwahl auch an die Biogasnutzung gedacht.Nun, wo die Entscheidung für den Standort gefallen ist, geht der EVS in die Planungsphase der Anlage und in die damit verbundene Umsetzung einer Vielzahl von Maßnahmen, die letztlich dafür Sorge tragen sollen, dass die Zulieferung an Biomasse auch reibungslos funktioniert. 

Nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz ergeben sich auch im Saarland Verpflichtungen, Bioabfälle sinnvoll für Energiegewinnung zu nutzen. Denn erneuerbare Energien sollen zum Hauptpfeiler der deutschen Stromversorgung und damit auch zur dominierenden Energiequelle der Zukunft werden.

Die Fakten zum Thema Biomasse-Zentrum

Weiterführende Informationen

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Für weitere Informationen zum Thema Grüngut hier klicken 

Weiteres Informationsmaterial zum Thema Abfallentsorgung hier klicken

DER NEUE TRENNT IM SAARLAND Online-Broschüre 

Wie man aus Bioabfällen nicht nur hochwertigen Kompost, sondern auch Energie erzeugen kann

Der Entsorgungsverband Saar hat einen rundum geeigneten Standort für das künftige saarländische Biomasse-Zentrum gefunden. Darüber hatten wir am vergangenen Donnerstag ausführlich berichtet. Bis voraussichtlich 2020 soll das EVS Biomasse-Zentrum auf dem Kraftwerksgelände in Ensdorf entstehen. Hier werden dann aus den Bioabfällen, die die Saarländerinnen und Saarländer über ihre Biotonne entsorgen, sowie aus Teilen des Grünschnitts Strom, Wärme und nährstoffreicher Kompost in hoher Qualität gewonnen.

Doch wie funktioniert eigentlich ein Biomasse- Zentrum...?

Wie funktioniert ein Biomasse-Zentrum?

Forschungsprojekte des EVS sollen wichtige Datengrundlage liefern

 
Online-Broschüre Abwasserreinigung im Saarland

Was passiert mit den Inhaltsstoffen des Abwassers?

Der Klärschlamm stellt aufgrund seines Nährstoff- und Energiegehaltes einen Wertstoff dar, der genutzt werden sollte. Diese Nutzung ist gesetzlich geregelt. Nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz sollten alle Abfälle zunächst einmal stofflich wiederverwertet werden. Dies geschieht beim Klärschlamm, indem man ihn als Düngemittel einsetzt und so die enthaltenen Nährstoffe in den Kreislauf der Natur zurückführt. Da Klärschlamm neben den Nährstoffen aber auch Schadstoffe enthält, gibt es hierfür strenge Grenzwerte.

 

Der wichtigste Nährstoff im Klärschlamm ist Phosphor. Phosphor ist essentiell für Menschen, Tiere und Pflanzen und die Lagerstätten sind endlich. Daher soll der Phosphor auch bei solchen Klärschlämmen nicht ungenutzt bleiben, die aufgrund Ihres Schadstoffgehaltes nicht unmittelbar als Düngemittel eingesetzt werden können. Es vorgesehen, eine gesetzliche Pflicht zur Phosphorrückgewinnung einzuführen.

 

Dafür wurden verschiedene Methoden entwickelt, die jedoch teilweise nur geringe Rückgewinnungsquoten erzielen, mit einem hohen Einsatz an Energie und/oder Chemikalien verbunden sind oder sich noch im Entwicklungsstadium befinden.

 

Auf der Kläranlage Homburg wird nun ein Verfahren eingesetzt, bei dem die Schadstoffe dem Klärschlamm weitgehend entzogen werden, der Phosphor jedoch erhalten bleibt, und zwar in pflanzenverfügbarer Form. Somit kann das Produkt ohne weitere Aufbereitungsschritte unmittelbar zu Düngezwecken verwendet werden.

 

Bei dem Mineralisierungsverfahren wird der entwässerte Klärschlamm zunächst in einem Bandtrockner auf ca. 85 % TS getrocknet und anschließend in zwei  Doppelschneckenreak­toren auf ca. 600-700 °C erhitzt. Dabei gehen die organischen Inhaltsstoffe in ein Gas über, das in einer anschließenden Brennkammer vollständig verbrannt wird. Mit der Abwärme der Brennkammer werden die Doppelschneckenreaktoren erhitzt. Die Abwärme der Reaktoren wiederum liefert zusammen mit den klärgasbetriebenen Blockheizkraftwerken die thermische Energie für den Trockner. Schlussendlich wird dessen Abwärme für die Beheizung des Faulturms und der Betriebsgebäude eingesetzt.

 

Der mineralisierte Klärschlamm enthält neben dem Phosphor und weiteren Nährstoffen auch noch reinen sowie in Form von Carbonaten gebundenen Kohlenstoff und dient somit als CO2-Senke. Er hat eine poröse Struktur und wirkt im Boden als Wasser- und Nährstoffspeicher.

 

Auf der Kläranlage Homburg fallen jährlich rund 4.700 Tonnen Klärschlamm an. Die herkömmliche thermische Verwertung in Kraftwerken verursacht hier Kosten von rund 400.000 € im Jahr. Nach der Trocknung und Mineralisierung reduziert sich die zu verwertende Menge auf etwa 700 Tonnen im Jahr. Bei gleichem Verwertungsweg wie bisher würden sich daher allein durch die Mengenreduzierung Einsparungen von ca. 340.000 € im Jahr ergeben. Tatsächlich dürften die Einsparungen noch höher ausfallen, da der mineralisierte Klärschlamm ein hochwertiges Produkt darstellt, das nicht teuer entsorgt werden muss.

 

Die Anlage auf der Kläranlage Homburg stellt ein Pilotprojekt dar. Es ist im Vergleich mit anderen Verfahren der thermischen Klärschlammverwertung mit Phosphorrückgewinnung jedoch sehr weit entwickelt. Die wesentlichen Vorteile dieses Verfahrens sind

 

  • Dezentraler Betrieb direkt auf der Kläranlage, dadurch Unabhängigkeit von externen Verwertern bezogen auf die Aufbereitung zur stofflichen Nutzung von Ressourcen wie dem Phosphor
  • Einhaltung auch der zukünftig erwarteten gesetzlichen Vorgaben
  • Kreislaufführung der Ressource Phosphor ohne separate Rückgewinnung
  • Einfaches und schnelles Genehmigungsverfahren (4 Monate für die Anlage in Hom­burg)
  • Sicherer Betrieb mit eigenem Personal
  • Geringer Platzbedarf

 

Für den EVS ist die Frage der Klärschlammverwertung sehr zentral. Auf den 139 Kläranlagen des Verbands fallen jährlich rund 80.000 Tonnen entwässerter Klärschlamm an. Aufgrund von gesetzlichen Änderungen der letzten Jahre kann nur noch ein geringer Anteil davon unmittelbar landwirtschaftlich verwertet werden. Da die Kapazitäten für die thermische Verwertung begrenzt sind, ist hier in den nächsten Jahren mit deutlichen Kostensteigerungen zu rechnen.

 

Das auf der Kläranlage Homburg erprobte Verfahren stellt hier eine Lösung dar, weil einerseits die zu verwertende Klärschlammmenge um rund 85 % reduziert wird und andererseits das Produkt auch die verschärften gesetzlichen Anforderungen an eine stoffliche Verwertung erfüllt und somit dem Gedanken der Kreislaufwirtschaft Rechnung trägt.

Abwasser enthält Stoffe, die in dieser konzentrierten Form nicht direkt in Umwelt gelangen sollten. Daher werden Abwässer gereinigt, bevor sie in Flüsse, Bäche oder das Meer geleitet werden. Seit dem flächendeckenden Bau von Kläranlagen hat sich die Gewässerqualität signifikant verbessert.

 

Die Abwasserreinigung geschieht im ersten Schritt durch mechanisches Abtrennen von Feststoffen und im zweiten Schritt durch biologischen Abbau von gelösten Stoffen. Den biologischen Abbau leisten Mikroorganismen, die sich von den im Abwasser enthaltenen Stoffen ernähren und dabei ständig vermehren. Damit die Menge an Mikroorganismen im biologischen Reinigungsbecken gleich bleibt, muss die überschüssige Biomasse entfernt werden. Diese bildet zusammen mit feinen Feststoffpartikeln den Klärschlamm.

Infografik: Die Klärschlamm-behandlung in der Kläranlage Homburg
Infografik: Das PYREG Verfahren zur Klärschlamm-Mineralisierung

Wie Klärschlamm helfen kann, wertvolle Ressourcen zu erhalten

Was viele Menschen als reines Abfallprodukt und bestenfalls als Dünger für landwirtschaftlich genutzte Flächen ansehen, ist tatsächlich ein wertvolles Gut. Klärschlamm fällt täglich zu tausenden von Tonnen an. Und der ist so reich an Phosphor, dass eine neue Verordnung des Bundesumweltministeriums sogar eine Pflicht zur Rückgewinnung von Phosphor und gleichzeitig eine Verschärfung der Schadstoff-Grenzwerte für die Nutzung des Klärschlamms in der Landwirtschaft vorsieht. In Homburg testet der Entsorgungsverband Saar deshalb seit einiger Zeit eine neue Klärschlamm-Mineralisierungsanlage.

Lesen Sie hier, wie eine innovative Idee wertvolle Ressourcen sichert

DER NEUE TRENNT IM SAARLAND

Abwasserreinigung im Saarland

Klärschlamm fällt täglich zu tausenden von Tonnen an und vielerorts wird er in Deutschland noch immer landwirtschaftlich als Dünger genutzt. Allerdings sind im Klärschlamm auch verschiedenste Schadstoffe enthalten. Mit einer Verschärfung der Schadstoff-Grenzwerte für die Nutzung des Klärschlamms fordert die Bundesregierung nun von den Kläranlagenbetreibern neue Lösungen ein. Der Entsorgungsverband Saar hat sich zur Aufgabe gemacht, diese veränderten Anforderungen in nachhaltige Konzepte umzusetzen. Zum Beispiel mit einer Klärschlamm-Mineralisierungsanlage, die zurzeit in der Homburger Kläranlage im Testbetrieb läuft.

Der EVS setzt auf nachhaltige Verwertungsprozesse für den Klärschlamm

Lesen Sie hier, wie der Klärschlamm für die Verwertung aufbereitet wird
 

Wie Spurenstoffe unser Abwasser belasten

Medikamente, Industriechemikalien, Körperpflege- und Pflanzenschutzmittel gelangen täglich in unser Abwasser und hinterlassen dort sogenannte anthropogene Spurenstoffe.

 

Wie damit in den Kläranlagen an der Saar verfahren wird, erklären die EVS-Geschäftsführer Michael Philippi und Georg Jungmann im Interview mit Redakteur Ingo Beckendorf.

Zum Interview

Interview

Der EVS forscht zum Schutz unserer Gewässer

Interview

Täglich gelangen Spurenstoffe in unser Abwasser, die in den Kläranlagen nur teilweise oder gar nicht herausgefiltert werden können.

Ob und wenn ja, welcher Handlungsbedarf besteht, erklärt Dr. Ralf Hasselbach, EVS-Bereichsleiter Planung und Konzeption Abwasseranlagen, im Interview mit der Saarbrücker Zeitung.

Zum Interview