Entsorgungssicherheit ist kein Selbstläufer

Frank Kackert überwacht vom Leitstand aus die Funktionen und Prozessabläufe der AVA Velsen. FOTO: EVS
Frank Kackert überwacht vom Leitstand aus die Funktionen und Prozessabläufe der AVA Velsen. FOTO: EVS

Abfall ist nicht nur ein Reststoff, sondern vor allem ein Wertstoff – mit diesem Wissen verwertet die Abfallverwertungsanlage Velsen des Entsorgungsverbandes Saar den Restabfall aus allen saarländischen Haushalten.

Dass in unserem Bundesland für die Verwertung des Restabfalls eine einzige Anlage ausreicht, hat einen guten Grund: Die Saarländer* innen sind „Meister“ in der Abfall- und damit in der Gebührenreduzierung. Dahinter steckt eine klare und langfristig angelegte Strategie des EVS. Der führte zu Beginn des Jahres 2011 ein mengenabhängiges Gebührensystem ein. Seitdem haben es die saarländischen Bürger*innen selbst in der Hand, durch ihr Abfall- Trennverhalten und Müllvermeidung die Gebühren zu beeinflussen – und machen davon regen Gebrauch.

Verlässlich, umweltfreundlich und wirtschaftlich

Die Restabfälle sanken innerhalb der ersten beiden Jahre nach Einführung des neuen Gebührensystems um über 30 Prozent und bis heute sind weiterhin leichte Reduzierungen feststellbar. Gleichzeitig – auch das war ein erklärtes Ziel der Systemumstellung – werden Wertstoffe besser getrennt, so dass sie optimal recycelt werden können. Beide Strategien führten dazu, dass die AVA Velsen ausreicht, um den Restabfall aller saarländischen Haushalte thermisch zu verwerten. Ein weiterer Pluspunkt: Die äußerst wirtschaftlich arbeitende Anlage wirkt sich günstig auf Kosten und Gebühren aus; die EVS-Abfallgebühren sind seit 2011 stabil.

Abfall ist mehr als ein Reststoff

Christopher Freichel muss als kaufmännischer Geschäftsführer der AVA Velsen die wirtschaftlichen Gesichtspunkte der Anlage im Blick behalten. Doch diese Betrachtungsweise ist aus seiner Sicht zu eng gefasst: „Wir arbeiten mit der AVA Velsen sehr wirtschaftlich, was auch mit der technischen Effizienz der Anlage zusammenhängt. Denn Abfall ist nicht nur Reststoff, sondern auch ein Wertstoff, aus dem wir hier Energie gewinnen. Noch wichtiger als die Wirtschaftlichkeit sind jedoch die Entsorgungssicherheit und der Umweltschutz.“ Vorreiter in Sachen Umweltschutz Exakt 252.159 Tonnen Haus-und Sperrmüll sowie Gewerbeabfälle wurden 2018 in der AVA Velsen angeliefert. Dabei handelt es sich um Abfälle, die zwar nicht wiederverwendet oder recycelt werden können, bei deren thermischer Verwertung aber in erheblichem Umfang Strom erzeugt wird. Der nicht selbst benötigte Strom wird ins Netz eingespeist und reicht für ca. 35.000 Haushalte (das entspräche z.B. annähernd den Haushalten im Landkreis St. Wendel).

Die AVA Velsen leistet damit zukunftsorientiert einen wichtigen Beitrag zu einer ressourcen- und klimaschonenden Kreislaufwirtschaft. Denn die Entsorgung der Abfälle ist gesichert und aus der thermischen Abfallverwertung wird wertvolle Energie gewonnen. Die Anlage in Velsen arbeitet mit einer effektiven 4-stufigen abwasserfreien Rauchgasreinigung. Damit werden aus dem Müll 99,92 Prozent der Schadstoffe entfernt oder zerstört und dauerhaft der Umwelt entzogen – ein echter Schadstoffsenker. Anlagen wie die AVA Velsen gehören zu den am stärksten reglementierten Industrieanlagen in Deutschland. Die europäischen Gesetze beinhalten die schärfsten Emissionsgrenzwerte für Abfallverwertungsanlagen sowie strenge Anforderungen an die Emissionsüberwachung. Der EVS hat sich beim Betrieb seiner Anlage zu noch niedrigeren Emissionsgrenzwerten verpflichtet als vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Selbst diese Werte werden im Anlagenbetrieb weit unterboten – ein wichtiger Beitrag zur Akzeptanz der Anlage bei den saarländischen und französischen Nachbarn.

Frank Kackert ist Mitarbeiter der ersten Stunde in der AVA Velsen. Der 45-Jährige begann als Kesselwärter in der AVA und ist heute als Leitstandfahrer sowie als stellvertretender Schichtführer in der Anlage tätig. Er erinnert sich: „Dem Thema Müllverbrennung begegneten die Menschen hier anfangs mit hoher Skepsis. Viele dachten dabei zunächst an Gestank und Gesundheitsgefährdung, ähnlich wie bei einer Mülldeponie. Doch wir waren in Velsen von Beginn an eine gläserne Anlage. Wir leisteten gemeinsam viel Aufklärungsarbeit mit regelmäßigen Führungen und bei den Tagen der offenen Tür. So konnten die Bedenken zerstreut werden.“ Noch immer ist die AVA Velsen eine „Gläserne Anlage“. So werden beispielsweise alle umweltrelevanten Werte außen an der Anlage und auf der Internetseite angezeigt und einmal jährlich in den lokalen Medien veröffentlicht.

Entsorgungssicherheit ist kein Selbstläufer

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