Wo läuft eigentlich Ihr Abwasser hin?

Marion Dibbern und Patrick Zenner sorgen zusammen mit ihren Kollegen für den reibungslosen Betrieb der Kläranlage Dillingen. FOTO: EVS

Der Entsorgungsverband Saar betreibt 137 Kläranlagen im Saarland. Sie sind das Herzstück einer flächendeckenden Infrastruktur für die Reinigung der Abwässer aus den privaten Haushalten und Gewerbebetrieben. Um technisch auf Stand zu sein und sämtlichen gesetzlichen Anforderungen auf EU-, Bundes- und Landesebene entsprechen zu können, müssen die älteren Kläranlagen im Saarland nach und nach saniert werden.

Die Sanierung von Kläranlagen, die häufig annähernd einem Neubau gleichkommt, ist jeweils ein überaus komplexer, zeitintensiver und anspruchsvoller Prozess, denn sie erfolgt grundsätzlich im laufenden Betrieb der Altanlage. Kläranlagen dienen dem Schutz der Gewässer und müssen daher 365 Tage im Jahr rund um die Uhr zuverlässig ihre Arbeit tun.

Aus alt mach (annähernd) neu:

Ein Paradebeispiel für ein sehr anspruchsvolles Projekt ist die Sanierung der Kläranlage Dillingen, die in Kürze abgeschlossen werden kann. Die Kläranlage Dillingen wurde 1975 in Betrieb genommen. Angeschlossen sind die Stadt Dillingen, die Gemeinde Nalbach sowie ein kleiner Teil der Gemeinde Saarwellingen. Auf der Kläranlage werden bei Trockenwetter- Bedingungen täglich 8.000 Kubikmeter Abwasser gereinigt, das entspricht etwa 60.000 Badewannenfüllungen. Aufgrund des vergleichsweise hohen Alters der Kläranlage und der ständig steigenden Anforderungen an eine moderne Abwasserreinigung wurde eine Sanierung notwendig.

Vorausschauende und exakte Planung

Thomas Schuhler steuerte als Projektleiter die gesamte Maßnahme: „Maßgebend bei solchen Projekten ist die Aufrechterhaltung des Kläranlagen- Betriebes während des Um- bzw. Neubaus der einzelnen Reinigungsstufen.“ Um die Funktionsfähigkeit der Kläranlage durchgehend aufrecht erhalten zu können, wurde die Sanierung der Dillinger Kläranlage in sechs nach Priorität gestaffelte Bauabschnitte unterteilt. Die Gesamtkosten der sechs Bauabschnitte belaufen sich auf rund 23 Millionen Euro.

Projektleiter Thomas Schuhler steuerte die komplexe Sanierung
der Kläranlage Dillingen. FOTO: EVS

Sanierung im laufenden Betrieb

Die Sanierung einer Kläranlage im laufenden Betrieb stellt an alle Beteiligten höchste Anforderungen. Anlagenteile, die für die Dauer der Arbeiten außer Betrieb genommen werden, lassen sich an anderer Stelle nicht kurzfristig neu bauen. Provisorien als Übergangslösungen sind störempfindlich und erfordern häufige Kontrollen. Patrick Zenner, Meister auf der Kläranlage Dillingen, schildert die Problematik bei den dortigen Sanierungsarbeiten: „Bei der Außerbetriebnahme des Faulturmes mussten wir beispielsweise die komplette Schlammlogistik neu organisieren. Die Außerbetriebnahme der Becken erforderte einen besonders hohen Kontrollaufwand der Rückbelastungen, es wurden zusätzliche Entwässerungsmaschinen eingesetzt.“

Die Sanierung im Detail

1. Bauabschnitt (2005- 2006) Die Installation einer neuen Belüftung sowie die Erneuerung der Rezirkulations- und Zwischenpumpen sorgten für eine deutliche Verbesserung der Ablaufwerte.

2. Bauabschnitt (2006- 2007) Mit der Erneuerung der mechanischen Vorreinigung wurde eine Reduzierung der Feststoffe im System erreicht.

3. Bauabschnitt (bis 2009) Erneuerung des Gasbehälters , um das entstehende Faulgas je nach „Angebot und Nachfrage“ zwischenspeichern zu können.

4. Bauabschnitt (2010-2011) Betonsanierung am vorhandenen Regenüberlaufbecken.

5. Bauabschnitt (2011-2013) Sanierung bzw. Umbau der alten Bestandteile des Schlammweges. Damit wurde eine weitestgehende Entwässerung des Schlamms sichergestellt, um ihn wirtschaftlich verwerten zu können.

6. Bauabschnitt (2017-2019) Sanierung des Wasserweges mit einer Vergrößerung der Volumina der einzelnen Reinigungsstufen. Die Sanierung ermöglicht die sichere Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen zur Reinigungsleistung, auch bei eventuellen Stoßbelastungen.

Der Faulturm musste während der Sanierungsarbeiten zeitweise außer Betrieb genommen
werden. FOTO: EVS

Energieeffizienz im Kläranlagen-Betrieb

Bei allen anstehenden Kläranlagen- Sanierungen prüft der EVS konsequent, mit welchen geeigneten Maßnahmen der Energieverbrauch gesenkt beziehungsweise die Energiegewinnung optimiert werden kann. Bereits seit 2012 ist auf der Kläranlage Dillingen eine Mikrogasturbine installiert. Die Turbine erzeugt aus dem bei der Abwasserreinigung anfallenden Faulgas ressourcenschonend Strom und Wärme. Die Fotovoltaik-Anlagen auf den beiden Betriebsgebäuden der Kläranlage leisten ebenfalls einen Beitrag dazu, den externen Energiebezug zu senken. So wird ein großer Teil des Energiebedarfs der Kläranlage autark produziert, fossile Brennstoffe werden geschont und so die Umwelt entlastet.

Sie sind eingeladen

Sie sind neugierig geworden? Dann besuchen Sie die frisch sanierte Kläranlage Dillingen in der Röntgenstraße beim „Tag der offenen Tür“ am Samstag, 7. September 2019, von 11 bis 16 Uhr. Bei Führungen erfahren Sie anschaulich, wo Ihr Abwasser hinläuft und wie es gereinigt wird. Für gute Unterhaltung sorgt ein buntes Rahmenprogramm gemeinsam mit dem Fischereiverband Saar.

Sie funktioniert eine Kläranlage

Die 137 Kläranlagen des EVS reinigen jährlich bis zu 180 Millionen Kubikmeter Abwasser. Dies entspricht dem Wasserinhalt von 450 Bostalstauseen. Der umfangreiche Reinigungsprozess erfolgt in verschiedenen Stufen.

Rechenanlage: Große Rechen oder Siebe entfernen aufwändig grobe Verunreinigungen wie zum Beispiel Hygieneartikel und Küchenabfälle, die über die Toilette „falsch“ entsorgt wurden.

Sand- und Fettfang: Hier setzen sich Sand, Kies und Steine am Beckenboden ab, schwimmfähige Teilchen wie Fette sammeln sich an der Oberfläche und lassen sich dort entfernen.

Vorklärbecken: Im Vorklärbecken wird die Strömung des Abwassers verlangsamt. Dadurch setzen sich weitere Stoffe als Schlamm am Boden ab. Dieser Schlamm wird auch im Faulturm zur Gasgewinnung genutzt.

Belebungsbecken: Das mechanisch vorbehandelte Abwasser wird in die Belebungsbecken eingeleitet. Hier bauen Mikroorganismen die organischen Verunreinigungen ab. Neben den Kohlenstoffwerden auch Stickstoff- und Phosphorverbindungen abgebaut, die andernfalls die Gewässer überdüngen würden.

Nachklärbecken: Der mit Mikroorganismen angereicherte Schlamm setzt sich am Beckenboden ab. Ein Teil des Schlammes wird zurück in den Reinigungskreislauf geleitet, während der überschüssige Schlamm in die Faultürme gepumpt wird. Das gereinigte Wasser wird in einen Fluss oder Bach abgeleitet.

Wo läuft eigentlich Ihr Abwasser hin?

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